Krank im Büro – Lieber nicht

Krank im Büro.

Falsches Pflichtbewusstsein richtet schnell mehr Schaden an, als es eigentlich nützt. Vor allem in höheren Verantwortungsbereichen nötigen sich Menschen öfter dazu, trotz starker Kopfschmerzen oder mit hohem Fieber an Konferenzen teilzunehmen. Schließlich ist es der gute Eindruck, der letztendlich zählt. Das diese Einstellung jedoch fatale Folgen für die Gesundheit des Erkrankten und der Mitarbeiter haben kann, blenden Betroffene häufig aus. Produktives Arbeiten unter den schwierigen Bedingungen ist in vielen Bereichen außerdem nicht möglich. Welche Gründe sprechen konkret gegen die Arbeit im Krankheitsfall und welche Folgen entstehen für den Betrieb?

Angst und Druck sind schlechte Ratgeber

Willensstärke und psychische sowie physische Belastbarkeit sind durchaus bewundernswerte Attribute, die der persönlichen Karriere zusätzlichen Aufwind verleihen können. Trotz Erkrankung tauchen Mitarbeiter mit angeschwollenen Augenlidern, aggressivem Husten und heiserer Stimme im Büro auf und relativeren auf Nachfrage ihr körperliches Unbehagen. In Wahrheit verbirgt sich hinter dem Verhalten Angst vor einer schlechten Beurteilung durch Kollegen und Vorsitzende. Natürlich schärfen ausartende Ausfallzeiten nicht das Profil im positiven Sinn, aber energische Beharrlichkeit besitzt ebenso ihre Schattenseiten. Daher darf die Furcht um den Arbeitsplatz oder die Pflege des eigenen Images nicht als Anlass zur Gefährdung des gesamten Betriebes dienen. Krankheitserreger kennen keine Grenzen und stecken vor allem in geschlossenen Räumen rasch andere Menschen an.

Erstaunlich oft vertreten Führungskräfte die Ansicht, bei Fieber und Schmerzen in ihrer Leistungsbereitschaft nur geringfügig eingeschränkt zu sein. Doch ähnlich wie die Gesetze der Physik lässt sich auch die Natur der menschlichen Physiologie nicht mit ein paar Absichtsbekundungen einfach ignorieren. An den Folgen dieser Selbstüberschätzung haben dann Mitarbeiter zu leiden. Klar ist aber auch: Wer ständig fehlt, zieht unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich. Daher stellt die Rücksicht auf eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Erholung den Grundpfeiler für einen produktiven Arbeitsalltag dar. Die präventive Stärkung des Körpers gegen ausartende Infektionen ist weitaus effektiver im Vergleich zu angeschlagenen Menschen, die Bakterien und Viren an ihre Kollegen weiterreichen. Ein bis zweimal im Jahr schwer zu erkranken, gilt im jährlichen Zyklus als völlig normal.

Leider fällt die Beurteilung von Managern diesbezüglich sehr variabel aus. Führungskräfte stehen also ebenfalls in der Pflicht, die Auswirkungen von zu harschen Anforderungen an das untergebene Personal genau zu bedenken. Zu hoher Druck oder fragwürdige Anreize wie Prämien veranlassen Menschen dazu, ansteckende Krankheiten mit zur Arbeit zu schleppen.

Geringere Produktivität und höhere Kosten

Die Ansätze bei der Beurteilungen der finanziellen Verluste durch fern bleibendes Personal im Krankheitsfall führen meist zu fehlerhaften Schlussfolgerungen. So beziffert die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin den jährlichen Ausfall im Jahr 2016 auf grob 133 Milliarden Euro (Brutto). Tatsächlich fehlt die entscheidende Gegenrechnung zu dieser Analyse. Kurzfristig mögen die offiziellen Krankenstände dank aufopferungsbereiter Mitarbeiter sinken. Nachdem sich jedoch eine regelrechte Epidemie im Betrieb ausgebreitet hat, verschwindet früher oder später ein Großteil der Belegschaft in den Krankenbetten. Letztendlich steigen dadurch die Kosten ins Uferlose. Die günstigste Variante bleibt die Akzeptanz der üblichen Krankenquote und allen damit verbundenen Rückschläge. Besonders mentale Anforderungen lassen sich mit hohem Fieber und einhergehender Konzentrationslosigkeit kaum produktiv bewältigen.

Natürlich gibt es keine pauschalen Empfehlungen für die Gefahreneinschätzung von infektiösen Erkrankungen. Diese obliegt in der Regel dem zuständigen Arzt. Wie groß die Wahrscheinlichkeit einer betrieblichen Einschränkung und Ansteckung tatsächlich ist, variiert stark durch die Art des Erregers und des Arbeitsplatzes. Bürotätigkeiten lassen sich in Einzelabteilungen bei leichter Erkältung noch problemlos ausüben. Eventuell dient auch das Home-Office als sichere Alternative zur Kommunikation mit Kollegen. Geschlossene Räume mit mehreren Mitarbeitern gelten jedoch als eine äußerst riskante Kombination. Die Nachteile sind klar: Selbst leichte Anzeichen einer Grippe setzen die Arbeitsfähigkeit massiv herab. Zudem verfügen Erkältungen aufgrund von Husten und Schnäuzen über ein hohes Verbreitungspotenzial. Überlastung und körperliche Schwäche können auf ein erhöhtes Ruhebedürfnis hindeuten.

Rechtzeitige Krankmeldungen und Schonung beugt langen Ausfällen effektiv vor. Fehlt jegliche Rücksicht, entstehen ernsthafte Langzeitfolgen. Chronische Erkrankungen und Probleme mit dem Herz-Kreislaufsystem treten dann möglicherweise auf und provozieren in Extremlagen den Verlust der Qualifikation für anstrengende Tätigkeiten. Bei bestimmten Berufsgruppen setzen sich Betroffene und andere Mitmenschen sogar erhöhter Unfallgefahr aus.

Nachteile im Überblick

  • Kosten durch kranke Arbeiter auf dem Arbeitsplatz überwiegen die einer Krankmeldung
  • effiziente Zusammenarbeit ist kaum möglich
  • Schwerkranke im Büro schüren eine ungünstige Erwartungshaltung an die Belegschaft
  • Ausbreitung ansteckender Erreger ist sehr wahrscheinlich
  • Gefahr einer schweren und andauernden Erkrankung steigt an
  • Risiko von Unfällen in bestimmten Berufen erhöht sich

Abbildung: : #158463227 | ©mast3r – fotolia.com

  • Marion Schomacher

    Die Inhaberin der Website upgreat.de

    Marion Schomacher ist Geschäftsführerin von UPGREAT®. Als BDVT zertifizierte Trainerin, Beraterin und Coach hat sie sich nicht nur auf Business-, Führungskräfte- und Karriere-Coaching spezialisiert, sondern bietet auch Seminare und Workshops zu Themen wie Kommunikation, Konflikt-Management, Softskills, und Teamentwicklung. Sie verfügt über langjährige Führungserfahrung in einem international agierenden Umfeld.   

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