Küss den Frosch

Küss den Frosch

Küss den Frosch, im englischen Sprachraum eher als „Eat the frog“ bekannt, ist eine Methode für das Zeitmanagement, die uns produktiv macht und unsere Motivation erhöht. Sie basiert darauf, die wichtigsten Aufgaben zuerst zu erledigen, also die Frösche, die sie zunächst darstellen, zu küssen oder (um bei der angloamerikanischen Metapher zu bleiben) gleich zu verfrühstücken.

Eat the frog als Start in den Tagesablauf

Die Metapher des Frosches stammt vom US-amerikanischen Coach Brian Tracy, der in den frühen 2000er-Jahren dieser Art des Zeitmanagements ein ganzes Buch widmete. Er nutzte sie, um zu verdeutlichen, dass wir die abschreckenden Aufgaben gern vor uns herschieben. Das könnten vielleicht ein schwieriges Gespräch mit unserem Chef oder auch der nicht minder schwierige Anruf eines Kunden sein, dem wir mitteilen müssen, dass wir die Deadline nicht einhalten können. Solche Aufgaben wollen wir am liebsten gar nicht erledigen. Im Normalfall schieben wir sie auf, wodurch sie aber im Hinterkopf herumschwirren und unsere Motivation senken. Das macht uns nicht eben produktiv. Tracy schlägt nun vor, den Frosch lieber gleich zu küssen (bzw. zu essen), um die Sache hinter sich zu bringen. Das hat zwei Gründe: Erstens wird unser Kopf damit wieder frei, zweitens sind es oft die unangenehmsten Aufgaben, die auch noch besonders wichtig sind. Schlimmstenfalls würden wir sie gar nicht erledigen, was ernste Folgen hätte. Es könnte ein ernster Schaden entstehen, denn der Chef könnte uns für die nächste Kündigungswelle vormerken, der Kunde könnte den Auftrag stornieren. Selbst im harmlosesten Fall wird der Berg an unangenehmen und dabei unerledigten Aufgaben immer größer. Das prekäre Gefühl im Unterbewusstsein nimmt zu, die Motivation nimmt in gleichem Umfang ab. Auch der Zeitdruck dürfte sich erhöhen, wenn wir unsere Zeit mit Kleinigkeiten verplempert haben, die zwar Spaß machen, aber beileibe nicht so wichtig sind. Daher sollten wir die Sache anpacken und den Frosch küssen oder verspeisen (je nach gewünschtem Bild).

Welchen Effekt hat Eat the Frog?

Die positiven Folgen dieser beherzten Vorgehensweise sind beträchtlich:

  • Wir empfinden eine derart große Erleichterung, dass uns die übrigen Tagesaufgaben höchst bequem von der Hand gehen. Das macht uns enorm produktiv.
  • Wir vermeiden Ärgernisse und echte Ausfälle wie beschrieben. In produktiven Prozessen ist es nicht möglich, schadlos eine wichtige Aufgabe einfach nicht zu erledigen.
  • Wir gewinnen wichtige Erkenntnisse, die sowohl unsere eigenen Fähigkeiten als auch externe Einflüsse und nicht zuletzt die betreffende Aufgabe selbst umfassen.
  • Wir überwinden für die Zukunft die üblichen Ängste, die mit solchen unangenehmen Aufgaben verbunden sind. Große Manager gehen nur so vor: Sie erledigen die wirklich schwierigen Dinge selbst und sofort, während sie leichtere Aufgaben delegieren. Schwache Manager gehen genau umgekehrt vor und sabotieren damit ihr Unternehmen und ihre Karriere.
  • Wir vermeiden, dass ein anderer die schlimme Aufgabe für uns erledigt (worauf wir vielleicht insgeheim gehofft hatten) und sich damit für unsere Position empfiehlt. Das ist genau der Effekt, den schwache Manager mit ihrer Drückebergerei erzielen.

Gilt Eat the frog immer und überall?

Das möchte man angesichts der schier überwältigenden Argumentationskette meinen, jedoch gibt es wie immer ein Aber: Manche Aufgaben sind so groß, dass sie einiger Überlegung bedürfen. Gerade bei schwierigen Gemengelagen sollten wir zudem niemals aus der Hüfte schießen. Wenn also das Gespräch mit dem Chef höchst bedeutsam ist und ein falscher Zungenschlag mehr Schaden als Nutzen anrichten würde, kann es klug sein, die Sache ein wenig ruhen zu lassen. Nur muss das Gespräch stattfinden, weshalb wir es terminieren und dann zum Termin den Frosch auch beherzt küssen sollten. Das meint die Metapher ja eigentlich: Wir dürfen uns um Himmelswillen nicht vor schwierigen Aufgaben komplett drücken und sie auch nicht auf die allzu lange Bank schieben. Das Gespräch mit dem Kunden wiederum, bei dem es um eine nicht einzuhaltende Deadline geht, duldet keinen Aufschub. Die Deadline endet übermorgen, wir müssen es ihm heute mitteilen, damit er umdisponieren kann. Unter diesen Prämissen wahren wir unsere Motivation und bleiben produktiv.

Bildnachweis: #31611524 | © Alena Kozlova – stock.adobe.com

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