Verhandlungen zur Gehaltserhöhung: Die richtige Strategie
Sie sind mit Ihrem Job grundsätzlich zufrieden, wünschen sich aber ein besseres Gehalt? Ist die letzte Anpassung womöglich schon länger her oder müssen Sie im Beruf heute deutlich mehr Leistung zeigen als noch vor einiger Zeit? In solchen Fällen ist eine Gehaltserhöhung durchaus gerechtfertigt. Doch einfach nur zu fragen, bringt selten Erfolge. Vielmehr sollten Sie eine durchdachte Strategie mit klaren Argumenten parat haben, die Ihre Qualitäten sichtbar machen und Ihre Position im Gespräch stärken. Mit der richtigen Vorbereitung und einem professionellen Auftreten lassen Sie Vorgesetzten und Management praktisch keine andere Wahl, als Ihnen die gewünschte Entgeltanpassung zu gewähren. Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung deutlich steigern.
Wie argumentiere ich eine Gehaltserhöhung?
Inhalt des Artikels "Verhandlungen zur Gehaltserhöhung: Die richtige Strategie"
- 1 Wie argumentiere ich eine Gehaltserhöhung?
- 2 Ohne Vorbereitung geht nichts – der richtige Zeitpunkt für das Gespräch und eine sinnvolle Strukturierung
- 3 Die richtige Strategie: Verhalten in der Gehaltsverhandlung
- 4 Wenn das Gespräch nicht den gewünschten Erfolg bringt
- 5 Checkliste für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung
Eine Gehaltserhöhung ist normalerweise kein Geschenk, sondern das Ergebnis einer fundierten Verhandlung. Auch wenn kein gesetzlicher Anspruch besteht, lohnt sich die Initiative: Studien zeigen, dass Beschäftigte, die regelmäßig mit ihren Vorgesetzten über ihr Gehalt sprechen, langfristig deutlich mehr verdienen. Damit Ihre Argumente überzeugen, sollten Sie sich gründlich vorbereiten.
In der Gehaltsverhandlung liegt es an Ihnen, Ihre Erfolge strukturiert darzustellen und nachvollziehbar zu belegen. Erstellen Sie dazu eine Liste oder eine übersichtliche Präsentation, in der Sie Ihre wichtigsten Leistungen dokumentieren.
Die Faustregel lautet: Je präziser und belegbarer Sie Ihre Gründe formulieren, desto schwerer fällt es Ihrem Gegenüber, diese zu entkräften.
Typische Argumente für eine Gehaltserhöhung
- Mehr Verantwortung: Wenn Sie neue Aufgaben oder Personalverantwortung übernommen haben, sollte sich das auch finanziell widerspiegeln.
- Steigende Leistung: Nachweisbare Qualitätssteigerungen oder die Erfüllung und Übererfüllung von Zielvorgaben zählen zu den stärksten Argumenten.
- Neue Qualifikationen: Weiterbildungen oder Zertifikate erhöhen Ihren Marktwert und rechtfertigen eine Gehaltsanpassung.
- Marktvergleich: Liegt Ihr Einkommen deutlich unter dem branchenüblichen Niveau, können Sie das sachlich ansprechen.
- Loyalität: Eine lange Betriebszugehörigkeit signalisiert Stabilität und Engagement – zwei Werte, die für das Management relevant sind.
- Innovative Ideen: Wer Prozesse verbessert oder Kosten senkt, trägt aktiv zum Unternehmenserfolg bei.
- Wettbewerbsangebote: Eine alternative Stelle kann Ihre Verhandlungsposition stärken, sollte aber nie als Drohung kommuniziert werden.
Ohne Vorbereitung geht nichts – der richtige Zeitpunkt für das Gespräch und eine sinnvolle Strukturierung
Eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung beginnt lange vor dem eigentlichen Gespräch. Wählen Sie den Zeitpunkt sorgfältig: Ideal sind Phasen, in denen Ihre Leistung sichtbar war oder ein bedeutendes Projekt abgeschlossen wurde. Auch nach der Probezeit, bei einer Beförderung oder während des jährlichen Mitarbeitergesprächs bieten sich gute Gelegenheiten.
Bevor Sie Ihren Termin ansetzen, sollten Sie Ihre Erfolge systematisch erfassen. Fragen Sie sich:
- Welche konkreten Leistungen habe ich erbracht?
- Welchen Mehrwert biete ich dem Unternehmen?
- Welche Ziele habe ich erreicht oder übertroffen?
- Welche Perspektive kann ich für die Zukunft aufzeigen?
Ihre Argumentation sollte sich immer auf belegbare Qualitäten beziehen – sowohl in Anbetracht des bisher Erreichten als auch geplanter/möglicher kommender Erfolge. Damit zeigen Sie, dass Sie die Gehaltserhöhung nicht fordern, sondern verdient haben.
Eine sogenannte Leistungsmappe kann Ihnen dabei helfen, Ihre Position zu strukturieren. Dokumentieren Sie darin:
- Ihren aktuellen Marktwert anhand von Gehaltsvergleichen.
- Erfolgreiche Projekte und deren messbare Ergebnisse.
- Absolvierte Schulungen oder Fortbildungen.
- Nachweise für Lob und Anerkennung – etwa aus E-Mails von KundInnen oder KollegInnen.
Diese Mappe dient im Gespräch als Grundlage für Ihre Argumente und verleiht Ihrer Verhandlung eine sachliche, nachvollziehbare Basis.
Die richtige Strategie: Verhalten in der Gehaltsverhandlung
Ergreifen Sie selbst die Initiative und vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrer oder Ihrem Vorgesetzten, um über Ihre berufliche Entwicklung zu sprechen. Planen Sie genügend Zeit ein – ein strukturiertes Gespräch erfordert Konzentration und Ruhe.
Während der Verhandlung sollten Sie freundlich, ruhig und sachlich auftreten. Selbstbewusstsein ist wichtig, darf aber nie in Arroganz umschlagen (oder als solche deutbar sein). Ein respektvoller Ton signalisiert Professionalität und stärkt Ihre Position.
Wenn Sie Ihre Forderung äußern, tun Sie das klar und konkret. Formulierungen wie „Ich möchte im kommenden Jahr zehn Prozent mehr verdienen“ sind besser als vage Wünsche. Machen Sie danach eine kurze Pause – das Schweigen zeigt Entschlossenheit und lässt Ihre Worte wirken.
Ein zentraler Punkt ist der sogenannte Ankereffekt: Wer das erste konkrete Angebot nennt, beeinflusst den weiteren Verlauf der Verhandlung. Nutzen Sie diese Taktik, indem Sie Ihr Wunschgehalt als erste Zahl in den Raum stellen. So orientiert sich das anschließende Gespräch im Regelfall an Ihrer Vorgabe.
Vermeiden Sie es, zu viele Argumente gleichzeitig zu bringen. Zwei oder drei starke Punkte wirken überzeugender als eine lange Liste. Dabei hilft die 2-3-1-Strategie:
- Beginnen Sie mit Ihrem zweitstärksten Argument.
- Führen Sie anschließend das schwächste an, um mögliche Gegenargumente vorwegzunehmen.
- Beenden Sie die Kette mit Ihrem überzeugendsten Punkt – das bleibt am stärksten im Gedächtnis und Ihr Gegenüber hat mögliche Zweifel nun schon bei Ihrem zweiten Statement verbraucht.
Wenn das Gespräch nicht den gewünschten Erfolg bringt
Nicht jede Gehaltsverhandlung endet mit einer sofortigen Zusage. Rechnen Sie mit Einwänden – ein „Nein“ ist kein Scheitern, sondern Teil der Kommunikation. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und das Gespräch professionell fortzusetzen.
Fragen Sie konstruktiv nach: „Was müsste ich verbessern, um künftig eine andere Bewertung meiner Leistung zu erreichen?“ Auf diese Weise erhalten Sie klare Hinweise, welche Ziele Sie bis zur nächsten Verhandlung umsetzen können.
Vereinbaren Sie, wenn möglich, einen neuen Gesprächstermin zu einem späteren Zeitpunkt. Ein Zeitraum von drei bis sechs Monaten ist realistisch, um messbare Fortschritte zu erzielen. Halten Sie vereinbarte Punkte schriftlich fest, um beim nächsten Zusammentreffen darauf zurückgreifen zu können.
Auch wenn eine Gehaltserhöhung zunächst ausbleibt, zeigt Ihr Verhalten Professionalität. Das Management erkennt, dass Sie bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Ihre Entwicklung aktiv zu gestalten – ein Pluspunkt für zukünftige Gespräche.
Checkliste für eine erfolgreiche Gehaltsverhandlung
- Bereiten Sie sich gründlich vor und dokumentieren Sie Ihre Leistung schriftlich.
- Wählen Sie einen günstigen Zeitpunkt, an dem Ihre Erfolge möglichst präsent sind.
- Vereinbaren Sie einen festen Termin – keine Diskussion zwischen Tür und Angel.
- Treten Sie in der Verhandlung ruhig, sachlich und selbstbewusst auf.
- Formulieren Sie Ihre Forderung zur Gehaltserhöhung klar und nennen Sie Ihr Wunschgehalt zuerst.
- Nutzen Sie den psychologischen Ankereffekt und die 2-3-1-Strategie zur Argumentation.
- Beschränken Sie sich auf wenige, aber starke Argumente.
- Reagieren Sie auf Ablehnung mit konstruktiven Rückfragen statt Enttäuschung.
- Halten Sie Ergebnisse schriftlich fest und planen Sie bei Bedarf ein weiteres Meeting.
- Denken Sie daran: Eine Gehaltsverhandlung ist keine Bittstellung, sondern ein professioneller Austausch über den Wert Ihrer Leistung.
Bildnachweis: #416032320 | © Nuthawut – stock.adobe.com







Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!