Qualitätszirkel

Für mehr Mitarbeiterbeteiligung in Unternehmen gibt es schon seit mehr als einem halben Jahrhundert den in Japan entwickelten Qualitätszirkel. Seine Grundidee: Die Mitarbeiter werden mit der Methode in die Entscheidungsfindung einbezogen und erhalten damit die Verantwortung über die Arbeitsgestaltung. Das schöpft individuelle Leistungspotenziale deutlich besser aus und erhöht die Arbeitszufriedenheit, es ist aber auch eine Herausforderung.

Für Beschäftigte ist es nämlich deutlich leichter, die Entscheidungen eines Vorgesetzten zu kritisieren, als selbst nach Lösungsansätzen zu suchen. Im Qualitätszirkel oder -kreis finden sie diese allerdings in der Gruppe, was die Übernahme von Verantwortung wiederum erleichtert.

Neue Betrachtungsweise durch den Qualitätszirkel

Durch klassische Führungsstrukturen erfolgt eine Trennung in Planung und Kontrolle durch das Management sowie Ausführung (nach Anordnung) durch die Beschäftigten auf der untersten Hierarchiestufe. Das gefällt den meisten Angestellten eigentlich ganz gut. Wenn etwas nicht klappt, murren sie und schieben die Schuld auf den (die) Vorgesetzten.

Wenn sie aber in die Planung und Kontrolle einbezogen werden, entdecken sie die Komplexität solcher Aufgaben. Andererseits kennen sie selbst die einschlägigen Probleme in ihrem Arbeitsbereich am besten, was sie zu den eigentlichen Experten für die nötige Planung macht. Dabei können sie ihr Kreativitätspotenzial nutzen.

Qualitätskreis: Vorbild aus Japan

Den Qualitätszirkel haben die Japaner in den 1950er Jahren entwickelt, er heißt dort Jishu Kanri. Er leitete sich aus dem stark ausgeprägten Familien- und Gruppenbewusstsein in diesem fernöstlichen Land ab. Die US-Amerikaner entdeckten den Qualitätskreis ab den 1960er, die Deutschen und andere Europäer ab den 1980er Jahren.

Die Zielstellung ist eine ökonomische, der Qualitätskreis soll die Produktivität durch eine Steigerung der Prozess- und Produktqualität verbessern. Darüber hinaus wirken Qualitätskreise spürbar positiv auf das Betriebsklima ein. Im Teilnehmerkreis ergeben sich verschiedene Synergien:

  • Ausschöpfung eines umfangreichen Potenzials an Wissen und Erfahrung
  • bessere Problemerkenntnis
  • Finden optimaler Lösungen durch Ideenreichtum
  • Erhöhung von Motivation und Verantwortungsbewusstsein unter den Beschäftigten
  • Selbstevaluation und dadurch bessere Erkenntnisse zur Wirksamkeit einzelner Maßnahmen

Wie ist der Qualitätszirkel aufgebaut?

In dieser Gesprächsrunde treffen sich freiwillig und regelmäßig rund fünf bis zehn Mitarbeiter aus unteren Hierarchieebenen. Als optimaler Rhythmus gelten Meetings im Abstand von rund drei bis vier Wochen. In diesen Meetings behandeln die Beschäftigten ihre arbeitsbezogenen Probleme.

Ein Vertreter des Managements kann zwar prinzipiell, sollte aber nicht unbedingt teilnehmen. Vielmehr übernimmt die Gesprächsführung ein geschulter Moderator. Das Team wählt selbst die Themen des Qualitätskreises aus. Anweisungen von oben gibt es gar nicht. Wenn ein Manager der unteren Führungsebene teilnimmt, beispielsweise der Abteilungsleiter des Teams, der schließlich in die besprochenen Probleme unmittelbar involviert ist, muss er in diesem Rahmen seine Führungsrolle aufgeben. Er kann zwar als gleichberechtigter Teilnehmer auch Themen vorschlagen, darf sie aber nicht bestimmten.

Die Themen sind in der Regel die Produktqualität, die Arbeitsplatzgestaltung, verbesserte Prozesse oder auch der Arbeitsschutz. Teilnehmer eines Qualitätszirkels treffen sich während ihrer (bezahlten) Arbeitszeit. Auf diese Weise unterstützt die Unternehmensleitung das Vorhaben. Im Gegenzug sollen die Sitzungen Ergebnisse bringen.

Rollen- und Aufgabenverteilung im Qualitätszirkel

Es gibt Rollen in einem Qualitätskreis:

  • Das Steuerungskomitee beauftragt einzelne Qualitätskreise und überwacht die Regelmäßigkeit der Durchführung. Außerdem nimmt es Verbesserungsvorschläge an oder lehnt sie ab.
  • Die Koordinatoren betreuen einzelne Kreise organisatorisch und materiell, sie sorgen beispielsweise für Räume, technisches Equipment und die Kaffeemaschine. Wenn Verbesserungsvorschläge durch das Steuerungskomitee gebilligt wurden, sorgen die Koordinatoren für deren Umsetzung.
  • Die Qualitätszirkelgruppen werden durch die Teilnehmer gebildet.

Des Weiteren existieren drei Kompetenzebenen in einem Qualitätskreis, nämlich eine für Inhalte, eine für Problemlösungsmethoden und eine für Arbeitsprozesse. Die Teilnehmer wirken je nach ihrer persönlichen Qualifikation auf einer oder auch auf mehreren Ebenen mit.

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